Stadt Enger

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Klimaschutzkonzept für die Stadt Enger

Die Stadt Enger hat in der Zeit vom 1. April 2009 bis 30. September 2009 unter Federführung des e&u energiebüros aus Bielefeld ein Klimaschutzkonzept erstellt. Hierbei wurde der energetische Zustand von 13 ausgewählten städtischen Gebäuden mit insgesamt etwa 45.000 qm Bruttogrundfläche detailliert aufgenommen und bewertet. Im Rahmen von Begehungen und auf der Grundlage vorhandener Aufzeichnungen wurden sowohl technische als auch nutzerspezifische Daten zum Energieverbrauch für die Bereitstellung von Raumwärme, Warmwasser, Belüftung/Klimatisierung und Beleuchtung ermittelt.

Anhand dieser Daten wurden in einem zweiten Schritt Potentialbetrachtungen zur Energie- und CO2- Einsparung vorgenommen, die in einen Maßnahmenkatalog zur Optimierung des Gebäudebetriebes und des Nutzerverhaltens münden.

Darüber hinaus umfasst das Konzept den Entwurf für die Umsetzung eines Klimaschutzmanagements. Kernpunkt ist dabei ein Organisationskonzept, das die Zuständigkeiten für ein Energie- und CO2-Controlling benennt.

 

Die untersuchten Gebäude erstrecken sich auf die gesamte Bandbreite öffentlicher Immobilien mit unterschiedlichster Nutzungsstruktur. Es handelt sich um


• die Grundschulen in Belke-Steinbeck/Besenkamp, Enger-Mitte, Oldinghausen/Pödinghausen sowie die Grund- und Heideschule Westerenger
• das Schulzentrum (Realschule und Rolf-Dircksen-Schule)
• das Widukind-Gymnasium Enger
• den Bauhof
• das Rathaus
• die Stadtbücherei
• das Jugend- und Kulturzentrum Kleinbahnhof
• die Friedhofskapelle Enger-Mitte
• das Übergangswohnheim
• die Obdachlosenunterkunft

 

 

Förderung

Logo Bundesministerium für Umwelt, Naturschuzt, Bau und Reaktorsicherheit.

Die Erstellung dieses Klimaschutzkonzeptes wurde gefördert im Rahmen der Klimaschutzinitiative des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU). Auf der Grundlage der „Richtlinie zur Förderung von Klimaschutzprojekten in sozialen, kulturellen und öffentlichen Einrichtungen im Rahmen der Klimaschutzinitiative“ vom 18. Juni 2008 hat das Bundesumweltministerium 80% der entstandenen Kosten übernommen.

 

Logo Projekträger JülichMit der Abwicklung der Fördermaßnahme hat das BMU den Projektträger Jülich beauftragt.

 

Das Projekt trägt das Förderkennzeichen 03KS0299.

 

 

Ergebnisse des Klimaschutzkonzeptes

Das beauftragte Büro e&u aus Bielefeld hat eine schriftliche Ausarbeitung vorgelegt, die eine separate Energieanalyse für jedes der 13 untersuchten Gebäude, ein Konzept für ein Klimaschutzmanagement und einen zusammenfassenden Bericht umfasst.

Die Energieanalysen bestehen im Wesentlichen aus der Anwendung von zwei unterschiedlichen Rechenverfahren.

 

Im ersten Schritt wurden Rechenoperationen auf der Basis der Energieeinsparverordnung (EnEV) vorgenommen. Dieses Verfahren dient dazu, unterschiedliche Gebäude hinsichtlich ihrer technischen Qualität unabhängig von ihrer realen Nutzung zu untersuchen. Die Grundlage bildet eine „Normnutzung“, um den Faktor des Nutzerverhaltens auszublenden, und ein „Normklima“, um Witterungseinflüsse zu relativieren. Der Fokus liegt also darauf, den Dämmstandard und die Qualität der versorgungstechnischen Anlagen zu bestimmen.

 

Im zweiten Schritt geht es um die Ermittlung von Einsparpotentialen. Hierbei werden in den Rechengang die reale Nutzungsstruktur und somit die tatsächlichen Energieverbrauchsdaten sowie die Witterung integriert, letztere bereinigt um die Klimafaktoren am Standort Enger. Ziel dieses Verfahrens ist die möglichst konkrete Abbildung der tatsächlichen Situation, um realitätsnahe Einsparpotentiale formulieren zu können.

 

Für jedes untersuchte Gebäude liegt jetzt eine umfassende Beschreibung und Analyse vor, die in einer Energiebilanz mit der Identifizierung Energie sparender Maßnahmen sowie einer ökologischen und wirtschaftlichen Bewertung dieser energetischen Modernisierungsempfehlungen mündet.

 

Legt man die zum Zeitpunkt der Erstellung des Konzeptes gültigen Werte der Energieeinsparverordnung (EnEV 2007 gültig bis 30.09.2009) für den Primärenergiebedarf zugrunde, ergibt sich folgendes Ergebnis hinsichtlich der technischen Qualität der einzelnen Gebäude:

Die Mehrzahl der Schulgebäude liegt innerhalb derjenigen Dämmstandards, deren Einhaltung die EnEV bei umfassenden Sanierungen bestehender Gebäude vorschreibt. Lediglich die Grundschule Belke-Steinbeck überschreitet diese Grenzwerte, und zwar um 7%. Die Grenzwerte, die die EnEV für Neubauten vorsieht, kann keines der Schulgebäude einhalten. Hier schwanken die Abweichungen zwischen 22% und 50 %.


Ein nachteiligeres Bild ergibt sich bei den übrigen untersuchten städtischen Gebäuden; einer sehr inhomogenen Gruppe hinsichtlich der Nutzungsstruktur. Zu den „übrigen Gebäuden“ gehören das Rathaus, Jugendzentrum, Friedhofskapelle Enger-Mitte, Bücherei, Übergangswohnheim, Obdachlosenunterkunft sowie der Bauhof. Keine dieser Immobilien kann den in der EnEV festgelegten Grenzwert für den Primärenergiebedarf für modernisierte Gebäude einhalten. Der ermittelte Bedarf liegt um 5% bis 105% über dem festgeschriebenen Grenzwert. Einen Ausreißer innerhalb dieser Gruppe stellt die Friedhofskapelle dar. Der ermittelte Wert für den tatsächlichen Energieverbrauch liegt um 137% oberhalb des Grenzwertes für modernisierte Gebäude und um 232% oberhalb des für Neubauten vorgesehenen Höchstwertes.


Um Einsparpotentiale zu ermitteln, ist in die weiteren Berechnungen die reale Nutzung einbezogen worden. Dies ermöglicht zudem, die Wirtschaftlichkeit einer Maßnahme zu beurteilen.

Die Umsetzung aller untersuchten Einsparpotentiale würde zu einer Minderung der CO2 – Emissionen von jährlich 894 Tonnen führen. Das entspricht etwa 53% des jetzigen Ausstoßes. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass diese Reduzierung mit einem Kostenaufwand von insgesamt ca. 5,9 Mio. € verbunden ist und zudem ein Teil der Maßnahmen als unwirtschaftlich einzustufen ist.

Als Objekte mit der rechnerisch ermittelten höchsten Sanierungseffizienz gelten das Widukind-Gymnasium, das Übergangswohnheim sowie das Jugendzentrum.

 

Die wirtschaftlichsten Einzelmaßnahmen, dargestellt als Kostenaufwand (€) pro eingesparter Energiemenge (kWh), reichen über die Gesamtheit der untersuchten Gebäude betrachtet von der Installation eines Raumfühlers über die Erneuerung der Heizzentrale mit einem Blockheizkraftwerk bis hin zur Dämmung von Geschossdecken bzw. von Außenwänden. Hierbei ist aber zu beachten, dass diese Empfehlungen gebäudespezifisch in Bezug auf den ökonomischen Aspekt stark variieren können. Die Dämmung der Außenwand des Bauhofes erweist sich beispielsweise als lukrative Maßnahme mit einem Aufwand in Höhe von 0,67 €/kWh, während die Dämmung der Außenwände des Altbaus der Grundschule Oldinghausen/Pödinghausen mit einem ungünstigen Kostenfaktor von 6,07 €/kWh zu Buche schlägt.

 

Was ist zu tun?
Als Klimaschutzmanagement gilt ein Energiemanagement, das umweltrelevante Dimensionen, wie zum Beispiel die CO2-Emissionen, in die Betrachtung integriert. Das Klimaschutzkonzept kommt hier zu dem Ergebnis einer optimierbaren Vorgehensweise. Empfohlen wird beispielsweise eine Zusammenfassung des Verbrauchs- und Kostencontrollings in einer Verwaltungseinheit, die regelmäßige monatliche Erfassung der Verbrauchsdaten sowie die Erstellung eines jährlichen Energieberichts. Darüber hinaus ist eine stärkere Einbindung der Hausmeister bzw. Gebäudebetreuer vorteilhaft, um durch vermehrte Schulung und verstärkten Einsatz von Messgeräten eine sensible Wahrnehmung im Umgang mit den versorgungstechnischen Anlagen zu erreichen.

 

Ausblick
Resümierend bleibt festzuhalten, dass das Klimaschutzkonzept in der vorliegenden Form als Teilkonzept öffentlicher Gebäude eine umfassende und systematische Aufarbeitung des energetischen Zustands der untersuchten öffentlichen Gebäude beinhaltet. Gleichzeitig dokumentiert es – zum Teil weitreichende und kostenintensive - Modernisierungsempfehlungen, deren Umsetzung jedoch zum einen nicht ad hoc und zum anderen in den kommenden Jahren nur in Abhängigkeit von der kommunalen Haushaltslage erfolgen kann. Nicht desto trotz wird diese Ausarbeitung eine maßgebliche Entscheidungsgrundlage bei der Auswahl und Festlegung zukünftiger Sanierungsarbeiten darstellen, sodass der Klimaschutz als wesentliches Kriterium in die Entscheidungsfindung einfließen kann. Darüber hinaus haben sich die Ausführungen zum Klimaschutzmanagement bereits als Impulsgeber für Bestrebungen erwiesen, das Verbrauchs- und Kostencontrolling zu optimieren.

 

 

 


 
 
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