Stadt Enger

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Grundschulneubau oder Außensportanlage?

Stellungnahme von Bürgermeister Thomas Meyer zur
aktuellen Diskussion um Themen der Schul- und Stadtentwicklung.

In jüngster Zeit wurden von den Stadtverbänden der beiden größten im Rat der Stadt Enger vertretenen Parteien, SPD und CDU, öffentlich größere Projekte zur Schul- und Stadtentwicklung der Widukindstadt Enger ins Gespräch gebracht. Die Pläne beziehen sich jeweils auf eine städtische Grundstücksfläche nordwestlich des Widukind-Gymnasiums. Die CDU schlägt hier den Bau einer Schul- und Breitensportanlage u. a. mit 400-Meter-Laufbahn, Weit- und Hochsprunganlage vor. Seitens der SPD wird dieselbe Fläche als neuer Schulstandort für die Grundschule Enger-Mitte, die hier ein von Grund auf neues Gebäude erhalten soll, favorisiert. Die öffentliche Diskussion wurde zuletzt von beiden Seiten mit großem Engagement, aber ohne eine Annäherung der jeweiligen Ansichten, geführt.

Nun erklärt Bürgermeister Thomas Meyer seine Position zu dieser Thematik:

 

Außensportanlage

 

„Zunächst möchte ich zum CDU-Vorschlag einer Außensportanlage für den Schul- und Breitensport anmerken, dass hier in Enger ein Bedarf unzweifelhaft gegeben ist. Dieses Thema ist nicht neu, allerdings fehlte es bislang an einer geeigneten Fläche für ein solches Projekt. Das nun ins Auge gefasste Areal in direkter Nachbarschaft des Widukind-Gymnasiums konnte erst vor einiger Zeit durch die Stadt erworben werden, so dass sich nun neue Möglichkeiten ergeben. Seitdem beschäftige auch ich mich intensiver mit Möglichkeiten zur Umsetzung.
Eine der wichtigsten Fragen ist hier sicherlich die nach der Ausrichtung einer solchen Anlage: Soll sie vorrangig dem Schulsport, dem Breitensport oder gleichermaßen beiden Zwecken dienen? Aus meiner Sicht steht eindeutig der Schulsport im Vordergrund. Daher sollte sich die Ausstattung einer solchen Anlage vorrangig an den Bedarfen der Schulen orientieren. Hier gilt es, in einen Dialog mit den Schulleitungen einzutreten, um diese Bedarfe zu ermitteln und zu definieren.“

 

Schulstandort der Grundschule Enger-Mitte

 

„Auch hier ist ein Handlungsbedarf nicht von der Hand zu weisen. Aus diesem Grund gibt es bereits einen Beschluss und Auftrag des Rates der Stadt Enger an die Verwaltung, grundsätzliche Überlegungen zu Erweiterungsmöglichkeiten für die Schule am bisherigen Standort oder aber an alternativen Standorten anzustellen. Hierbei war aber von Beginn an deutlich gemacht worden, dass ein ausreichender Vorlauf und eine sorgfältige Planung erforderlich sein würden, um ein solches Großprojekt zum Erfolg zu führen. Daher wurde auch der Entschluss gefasst, zunächst mit einem Pavillongebäude Entlastung für den Raumbedarf der Schule zu schaffen.

Die Entscheidung über die zukünftige räumliche Ausstattung der Grundschule wird in ihren Auswirkungen weit über die heutige Generation hinaus wirken. Hierfür braucht es belastbare Fakten. Daher kann ich mir auch nicht vorstellen, auf eine fundierte Machbarkeitsstudie zu dieser Fragestellung zu verzichten.“

 

 

Gemeinsamkeiten der Vorschläge

 

„Grundsätzlich kommt die hier in der Diskussion stehende Grundstücksfläche sowohl für die Errichtung einer Außensportanlage als auch für einen Schulneubau in Frage. Denkbar wäre es wohl auch, eine Kombination von Schulgebäude und (schulübergreifenden) Außensportanlagen zu verwirklichen.


Es ist festzustellen, dass der Standort grundsätzlich für beide Vorhaben geeignet erscheint.
Einerseits liegt er in der Nähe der beiden großen weiterführenden Schulen der Widukindstadt, so dass eine gemeinsame große Außensportanlage gut fußläufig erreichbar wäre.
Auf der anderen Seite ist er auch von neuen Baugebieten wie dem Windfeld oder dem geplanten Neubaugebiet am Sieler Weg, von wo in Zukunft eine große Zahl an Grundschulkindern erwartet werden kann, gut erreichbar. Auch ist die planerische Ausweisung weiterer Wohnbauflächen im Umfeld perspektivisch nicht ausgeschlossen.

 

Da die Weiterentwicklung unserer Schullandschaft für mich persönlich immer im Vordergrund steht und einen Schwerpunkt meiner Amtsführung ausmacht, hatte ich mich bislang in dieser politischen Diskussion zu einer gewissen „kommunikative Zurückhaltung“ entschlossen.

 

Allerdings möchte ich mich nun doch zu Wort melden und plädiere in beiden Fällen dafür, die bestehenden Überlegungen nicht aus dem größeren Zusammenhang unserer langfristigen stadtplanerischen Konzeptionen herauszulösen. Stattdessen möchte ich vorschlagen, Machbarkeitsstudien sowohl für eine Außensportanlage als auch für einen neuen Standort der Grundschule Enger-Mitte als Maßnahmenvorschläge in unser neues Integriertes StadtEntwicklungsKonzept (ISEK) „Ortskern 2025+“ aufzunehmen. Dies hätte zudem den Vorteil, die Chance auf weitere Fördermöglichkeiten durch das Land zu eröffnen.

 

Herausforderungen und Auswirkungen

 

Ebenfalls gemeinsam ist beiden Projekten am besagten Standort aber auch eine gemeinsame Herausforderung:

Die Erschließungssituation und zu erwartende höhere Verkehrsbelastung.

 

So werden zwangsläufig Auswirkungen auf die jetzigen und zukünftigen Anwohner ergeben, die zu bedenken sein werden.
Im Falle eines Schulneubaus wird sich für den Verkehr, insbesondere den Bring- und Abholverkehr für Schulkinder, eine deutlich höhere Frequenz am Morgen bis in den Nachmittag hinein ergeben.
Wird eine Sportanlage errichtet, gäbe es ein solches erhöhtes Verkehrsaufkommen wohl eher am späteren Nachmittag und in den Abendstunden.

 

Hierfür ist die Erschließung der Fläche nach derzeitigem Stand nicht ausreichend gegeben. Für diesbezügliche Planungen ist es aus meiner Sicht unverzichtbar, die Anlieger und Nachbarschaft von Beginn an mitzunehmen und in die Prozesse einzubeziehen.

 

Es ist für mich klar, dass für jedes an besagter Stelle durchzuführende Bauvorhaben eine neue, bedarfsgerechte Erschließung des Gebietes und der dort entstehenden Anlagen sicherzustellen sein wird. Über die vorhandenen Straßen geht es nicht.

 

Als einen ersten Schritt zu einer soliden Planungsgrundlage habe ich im Zuge der Vorbereitung unseres ISEK bereits eine Studie zur Verkehrssituation und Verkehrszählungen in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse sollen in zukunftsweisende Verkehrskonzepte einfließen.

 

Schließlich stehen wir noch vor der Herausforderung der Finanzierbarkeit. Für beide Vorhaben, Breitensportanlage wie Schulneubau, stehen Fördermittel nur begrenzt zur Verfügung und setzen jeweils eine detaillierte, belastbare Planung voraus. Ich persönlich vertrete den Standpunkt, dass man, will man Geld für eine von Grund auf neue Sportanlage in die Hand nehmen, auch ausreichend Geld für moderne, den heutigen Anforderungen entsprechende Schulgebäude bereitstellen muss.

 

Mein Fokus liegt auf einer langfristigen, perspektivischen Schulentwicklungsplanung für unsere Stadt. Verschiedene Maßnahmen zur Verbesserung der Situation in unseren Schulgebäuden sind daher aktuell auf den Weg gebracht, darunter

  • die Erneuerung der Toilettenanlagen am Widukind-Gymnasium und der Grundschule Westerenger
  • der Austausch der Fenster an der Grundschule Belke-Steinbeck/ Besenkamp
  • die Herrichtung der Außensportanlagen am Widukind-Gymnasium und der Realschule Enger.

 

Aus der Idee für einen Standortwechsel und einen Neubau der Grundschule Enger ergibt sich für mich auch keine grundsätzliche Diskussion über Grundschulstandorte. Ich habe mich stets zum Erhalt aller Grundschulstandorte in den einzelnen Ortsteilen bekannt und stehe auch zukünftig hierzu. Ich halte wohnortnahe Grundschulstandorte nicht nur wichtig für die Schülerinnen und Schüler, sondern auch für identitätsstiftende Kommunikationsmittelpunkte für alle Bürgerinnen und Bürger der Engeraner Ortsteile.

 

Abschließend möchte ich mich noch mit einer persönlichen Bitte und Empfehlung an alle Teilnehmenden am politischen Diskurs zu dieser Thematik wenden:

Trotz der anstehenden Kommunalwahl und des aufkommenden Wahlkampfes sind diese jeweiligen Projekte wichtige Weichenstellungen für die Entwicklung unserer Stadt. Die Auseinandersetzung, vor allem aber die Entscheidung, sollte mit kühlem Kopf und anhand fundierter Argumente erfolgen. Dies wünsche ich mir von allen politischen Akteuren.

 

 

 

Thomas Meyer

Bürgermeister

 
 
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