Stadt Enger

Schnellmenü

Inhaltsbereich

Die Widukindstadt feiert ihr Timpkenfest

Die Tradition der „Widukindspende“ lebt in Enger fort.

Timpkenfest  2020 01

Enger, 07.01.2020. Der 6. Januar ist in Enger wenn schon kein Feier-, dann doch auf jeden Fall ein Festtag: Am Dreikönigstag begeht die Widukindstadt nach uralter Überlieferung ihr Timpkenfest. Der Legende nach war es der Sachsenherzog Widukind, der diese Tradition begründete. Die Geschichtswissenschaft führt den Brauch auf eine mittelalterliche Stiftung zurück.

 

Hier ein paar Eindrücke

 
Der in Enger gemeinhin bekannten Version der Geschichte nach hatte der zum Christentum bekehrte Widukind verfügt, dass alljährlich an seinem Todestag eine Armenspeisung erfolgen solle, auf dass die Menschen seiner gedenken und für sein Seelenheil beten mögen. Diese „Widukindspende“ ist in Enger noch immer Brauch: Nach einem feierlichen Gottesdienst in der Engeraner Stiftskirche werden von den Provisoren, das sind geistliche und weltliche Würdenträger der Stadt, am Kirchenausgang die Timpken, Stücke von süßen Brötchen, verteilt.

 
Es sind in erster Linie die Kinder, an die sich das Fest richtet. Und die nehmen gern daran teil, auch wenn das Fest heutzutage regelmäßig in die Schulferien fällt. Aber ebenfalls kann man jedes Jahr erleben, dass viele ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger eine enge Bindung an dieses schöne Brauchtum bewahrt haben.

 

Den Gottesdienst zum Timpkenfest in der voll besetzten Stiftkirche Enger gestal-tete in diesem Jahr Pfarrer Stephan Horstkotte aus Westerenger ausgesprochen kurzweilig und anschaulich. Für das Krippenspiel gewann er spontan Darsteller aller Altersgruppen aus den Reihen der Gottesdienstbesucher. Während sich für die Rollen von Maria, Josef und Herodes eher kindliche Freiwillige fanden, wurden die drei Weisen aus dem Morgenland prominent mit Landrat Jürgen Müller, Bürgermeister Thomas Meyer und dem Presbyteriumsvorsitzenden Pfarrer Eckardt Koch besetzt.
Auch nutzte Pfarrer Horstkotte den Anlass, um zusammen mit seinem Kollegen von der katholischen St.Dionysius-Gemeinde, Pastor Carsten Adolfs, auf den großen Erfolg der Sternsingeraktion 2020 hinzuweisen. Diese war in diesem Jahr erstmals ökumenisch, also konfessionsübergreifend, durchgeführt worden.

 

Bei der anschließenden Timpkenverteilung vor den Kirchentüren sorgten die Provisoren dafür, dass niemand mit leeren Händen nach Hause gehen musste.
Neben vielen Mitgliedern des Presbyteriums und den Sattelmeiern verteilten hier u. a. auch Landrat Jürgen Müller, Bürgermeister Thomas Meyer, Bundestagsmitglied Stefan Schwartze und Landtagsabgeordneter Stephen Paul mit vollen Händen die begehrten süßen Brötchen.

 

Zum weiteren Programm gehörte für alle Interessierten offenstehender Vortrag im Gemeindehaus unter dem Titel „Nachkommen, Namen und Erzählungen – Wie man sich im Mittelalter an Widukind erinnerte“. Publizist und Historiker Roland Linde aus Detmold, Mitglied der Historischen Kommission für Westfalen, befasste sich mit dem Umstand, dass wenige Sätze in fränkischen Annalen alles sind, was uns aus Quellen des 8. Jahrhundert vom Sachsen Widukind bekannt ist. Nach seiner Taufe 785 verschwand er ganz aus der zeitgenössischen Berichterstattung. In Westfalen blieb die Erinnerung an den Heerführer gleichwohl lebendig. So suchte Linde nach Antworten danach, wie in einer noch stark von Mündlichkeit geprägten Welt Erinnerung funktionierte und wie stark sich dabei Fabuliererei, Umdeutungen und Fakten vermischt haben mögen.

 
Seinen Abschluss fand das Timpkenfest auch in diesem Jahr mit einem gemein-samen Mittagessen der Provisoren im Gemeindehaus, das – auch dies eine langjährige Tradition - aus einer deftigen Erbsensuppe inklusive Timpken bestand.

 

Timpkenfest  2020 01
Timpkenfest 2020 01
Timpkenfest  2020 03
Timpkenfest 2020 03
Timpkenfest  2020 05
Timpkenfest 2020 05
Timpkenfest  2020 07
Timpkenfest 2020 07
Timpkenfest  2020 09
Timpkenfest 2020 09
 
 
Zurück zum Schnellmenü